Rat & Tat
Intervention bei Ess-Störungen
Ess-Störungen wie Magersucht oder Bulimie sind psychische Störungen, die unter Leistungssportlerinnen und -sportlern häufiger auftreten als in der Gesamtbevölkerung. Bei Anzeichen einer solchen Erkrankung sollte professionelle Hilfe in Anspruch genommen werden.
Ess-Störungen und Leistungssport
Ess-Störungen treten meist in der Pubertät erstmals auf. Als mögliche Ursachen gelten unter anderem Leistungsdruck, mangelndes Selbstwertgefühl, mangelnde Fähigkeit zur Stress- und Konfliktbewältigung, Angst vor Kontrollverlust und die Fixierung auf das gesellschaftlich propagierte Schlankheitsideal. In Sportarten, bei denen Körperästhetik eine Rolle spielt oder das Last-Kraft-Verhältnis für die Leistungsfähigkeit ausschlaggebend ist, scheinen die Entstehung einer Ess-Störung zu begünstigen. Hinzu kommt, dass zum Krankheitsbild der Magersucht eine Neigung zu exzessiver körperlicher Betätigung gehört, so dass sich die Betroffenen möglicherweise gerade aufgrund ihrer Erkrankung im Leistungssport engagieren – hier lassen sich Ursache und Wirkung nur schwer auseinander halten.
Symptome der Magersucht
Unabhängig davon, ob die Ess-Störung im Zusammenhang mit dem sportlichen Engagement steht, sollten Trainerinnen und Trainer in der Lage sein, Anzeichen einer Magersucht zu erkennen. Mögliche Warnsignale sind
- rapider Gewichtsverlust
- chronische Müdigkeit
- exzessives Training
- Stimmungsschwankungen, Depressionen
- das Bemühen, Essen in Gesellschaft zu vermeiden
- unablässige Beschäftigung mit dem Thema Essen
- Verwendung von Abführ- oder Brechmitteln zur Gewichtsreduktion
Dringender Handlungsbedarf
Wenn Anzeichen einer Magersucht erkennbar sind, ist schnelles Handeln erforderlich. Die Magersucht ist eine behandlungsbedürftige Krankheit, die lebensbedrohliche Ausmaße annehmen kann. In fünf bis zehn Prozent aller Fälle führt die körperliche Auszehrung zum Tod!
Professionelle Hilfe suchen
Die Handlungsmöglichkeiten von Trainerinnen und Trainern sind in Fällen von Magersucht eng begrenzt. Sie können zwar das Gespräch mit den Betroffenen suchen, aber diese sind in der Regel nicht ohne weiteres bereit, über das Problem zu sprechen, häufig haben sie auch zunächst kein Krankheitsbewusstsein. Es ist daher unumgänglich, professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen.
- Sie können zunächst mit den verfügbaren Fachkräften aus den Bereichen Sportmedizin, Sportpsychologie und Ernährungsberatung sprechen. um Ihren Verdacht abzuklären.
- Möglicherweise gibt es in der Trainingsgruppe eine Person, zu der die oder der Betroffene besonderes Vertrauen hat und die Auskunft über bestehende Probleme geben kann.
- Bei Jugendlichen kann es sinnvoll sein, Kontakt zu den Eltern aufzunehmen und den Handlungsbedarf deutlich zu machen. Bei bekannten Konflikten zwischen Betroffenen und Eltern ist allerdings Vorsicht geboten.
- Sie können sich auch an eine auf Ess-Störungen spezialisierte Beratungsstelle wenden. Die Beraterinnen und Berater können Hinweise für ein sinnvolles Vorgehen geben; sie beraten auf Wunsch auch anonym und sind zur Verschwiegenheit verpflichtet.