Beispiele aus dem Trainingsalltag

Zweifelhafte Empfehlung

Auf einem Steg stehende Kanutinnen und Kanuten.

Junge Athletinnen und Athleten orientieren sich gern an den älteren, die schon länger „im Geschäft“ sind. Doch die sind nicht immer die besten Vorbilder.


 

„Meinen Mitspielern muss ich doch vertrauen können“

Das Handballteam besteht größtenteils aus Spielern, die vor wenigen Jahren im Endspiel der Deutschen Jugendmeisterschaften standen. Ergänzt wird die Mannschaft durch einige wenige „alte Hasen“ als Führungsspieler. Einer der jüngeren Spieler erscheint stark erkältet zu einem Vorbereitungsspiel. Kurz vor Beginn des Aufwärmens suchen Sie ihn in seiner Kabine auf, um seine Einsatzmöglichkeiten zu klären. Sie erwischen ihn dabei, wie er gerade ein ephedrinhaltiges, also verbotenes Erkältungsmittel zu sich nimmt. Zur Rede gestellt, antwortet er Ihnen, das Mittel habe ihm einer der älteren Spieler gegeben. „Er hat mir gesagt, das soll ich mal nehmen, dann bin ich fit für das Spiel. Und meinen Mitspielern muss ich doch vertrauen können, oder?“

 

Bewusstsein für die Eigenverantwortung stärken

So verständlich es auch ist, dass der junge Athlet dem Rat des älteren vertraut – wenn es um Medikamente, Nahrungsergänzung & Co. geht, muss er lernen, jede Empfehlung zu hinterfragen. Als Trainerin oder Trainer können Sie in diesem Fall im Gespräch etwa folgende Argumente vorbringen:
  • Maßgeblich für die Zulässigkeit eines Mittels sind nicht die Empfehlungen und Erfahrungen älterer Teamkollegen, sondern einzig die geltenden Anti-Dopingbestimmungen.
  • Jede Athletin und jeder Athlet ist verpflichtet, sich selbst darüber zu informieren, welche Substanzen ein Medikament enthält, welche erlaubt und welche verboten sind.
  • Der ältere Mitspieler würde im Fall einer Dopingkontrolle wahrscheinlich nicht die Verantwortung für die Folgen seiner Empfehlung übernehmen – und es würde auch nichts nützen.
  • In Bezug auf Doping gibt es keinen „Vertrauensschutz“. Der Athlet ist allein verantwortlich für jede verbotene Substanz, die in seinem Körper gefunden wird.

 

Anlass für ein Aufklärungsgespräch

Es liegt nahe, auch den Spieler anzusprechen, der dem jungen Athleten das Mittel gegeben hat. Eine solche direkte Konfrontation könnte allerdings zu einem Konflikt zwischen den beiden Spielern führen, der für das Klima in der Mannschaft nicht zuträglich wäre. Besser ist es, die Erkrankung des Athleten zum Anlass zu nehmen, um Fragen zum Verhalten im Krankheitsfall und zum Umgang mit Medikamenten noch einmal mit der gesamten Mannschaft zu erörtern. So können die beiden involvierten Spieler ihr Gesicht wahren, und Sie können die Gelegenheit sinnvoll für das Anliegen der Dopingprävention nutzen.