Beispiele aus dem Trainingsalltag

Abi, Party, Leistungssport - alles unter einen Hut?

Eine Leichtathletin der nationalen Junioren-Spitze steckt im Abitur. Dennoch läuft das Vorbereitungstraining für die Sommersaison wie geplant und ohne erkennbare Störungen ab, vergleichbar dem Training für die Wintersaison. Aber die Leistungsfortschritte bleiben aus.


 

Erschlichene Freiheiten

Die Trainerin vermutet, dass durch das Abitur eine physisch und/oder psychisch belastende Situation entstanden ist, und spricht die Athletin darauf an. Diese antwortet, sie müsse eben zahlreiche zusätzliche Pflichtveranstaltungen, zum Beispiel zur Vorbereitung auf die Abiturfeierlichkeiten, wahrnehmen. Pflichtveranstaltungen werden natürlich von der Trainerin akzeptiert. Erst später stellt sich heraus, dass es sich dabei häufig schlicht um Partys gehandelt hatte. Die Athletin hatte sich einerseits tatsächlich den Mitschülerinnen und -schülern "verpflichtet" gefühlt und andererseits dem verständlichen Drang nachgegeben, einmal zu feiern wie alle anderen auch. Sie hatte einen Weg gefunden, einerseits die Trainerin zu "beruhigen“ und sich andererseits eine Zeit lang Vergnügungen zu widmen, die zwar in diesem Alter üblich, dem Leistungssport aber eher abträglich sind.

 

Vertrauen ist besser

Solche Unaufrichtigkeiten können für Trainerinnen und Trainer frustrierend sein. Sie sind aber vermeidbar, wenn das Verhältnis von Offenheit und Vertrauen geprägt ist. Hilfreich ist es in diesem Zusammenhang,
  • frühzeitig ein gutes Vertrauensverhältnis aufzubauen, damit die Athletinnen und Athleten auch vermeintlich schwierige Themen (hier den Wunsch, mit der Gleichaltrigengruppe zu feiern) anzusprechen bereit sind,
  • vermutete Probleme offen anzusprechen, wobei der Gesprächseinstieg über konkret beobachtete Veränderungen im Verhalten oder der Leistungsentwicklung der Athletin oder des Athleten erfolgen sollte und nicht über vorgefasste Interpretationen,
  • Verständnis für persönliche Wünsche und Neigungen zu zeigen und diesen hin und wieder Raum zu geben,
  • in Fällen wie dem oben beschriebenen gemeinsam eine tragfähige Prioritätensetzung zu erarbeiten, eventuell sogar unter zeitweiliger Anpassung der Trainings- und Wettkampfplanung.