Beispiele aus dem Trainingsalltag
"Nimm das mal!"
Athletinnen und Athleten können in der Regel auf das Wissen und Können des sportmedizinischen Fachpersonals vertrauen, wenn es um ihre Gesundheit geht. Doch manchmal ist es angebracht, auch die Empfehlungen von Fachleuten kritisch zu hinterfragen.
Zweifelhafte Vorsorge
Eine junge Sportlerin, ganz neu im Nachwuchskader, wird im Rahmen der Kadermaßnahmen einer intensiven sportmedizinischen Untersuchung unterzogen. Stolz zeigt sie den Untersuchungsbericht ihrer Trainerin. Der Bericht bescheinigt dem Mädchen eine robuste Gesundheit und die Eignung für den Leistungssport. Gleichzeitig wird ihr darin aber nahe gelegt, „vorbeugend“ bestimmte Medikamente zu nehmen, um die kommenden zunehmenden Belastungen auch sicher aushalten zu können. Es handelt sich um hoch dosierte Vitaminpräparate.
Prophylaxe oder Konditionierung?
Auch wenn die empfohlenen Mittel nicht verboten sind, sollte es zu denken geben, wenn ein junges Mädchen, das erwiesenermaßen gesund ist, trotzdem Medikamente nehmen soll. Nicht nur, weil Medikamente immer auch unerwünschte Nebenwirkungen haben können. Vielmehr können derartige Empfehlungen den Eindruck erwecken, dass ohne chemische „Nachhilfe“ im Leistungssport selbst bei bester Gesundheit nichts auszurichten ist. Und wenn ein solcher Irrglaube sich einmal verfestigt hat, können auch weniger gut gemeinte Empfehlungen leicht auf fruchtbaren Boden fallen. Zum bewussten Doping ist es dann nur noch ein kleiner Schritt.
Stellung beziehen
Sportärztinnen und Sportärzte haben naturgemäß neben rein gesundheitlichen Fragestellungen auch Aspekte der Leistungsoptimierung im Blick, wenn sie Empfehlungen aussprechen. Das sollte sie aber nicht dazu verleiten, einem Verhalten Vorschub zu leisten, das in letzter Konsequenz die Weichen für Doping stellen kann. Nehmen Sie deshalb als Trainer oder Trainerin sportmedizinische Empfehlungen kritisch unter die Lupe: Ermutigen Sie ihre Athletinnen und Athleten dazu, offenkundig unbegründete Maßnahmen in Frage zu stellen und Alternativen zu erarbeiten. Möglicherweise ist es auch sinnvoll, das Gespräch mit dem zuständigen sportmedizinischen Fachpersonal zu suchen.