Beispiele aus dem Trainingsalltag

Leistungsgrenze erreicht - Ende der Karriere?

Raumansicht Schulklasse der Trainerakademie. Foto: A. Heimken

Alles ist ausgereizt. Der Trainer und die Athletin haben alle Möglichkeiten, das Leistungsvermögen zu steigern, ausgeschöpft. Der Trainingsplan wurde optimiert, Kolleginnen und Kollegen zu Rate gezogen, ein gesundheitlicher Check-up durchgeführt, doch die Grenze der Leistungsfähigkeit der Athletin ist offenbar erreicht.

Wenn das maximale Leistungsniveau erreicht ist und für ein Bestehen im Wettkampf dennoch nicht mehr ausreicht, wird sich die Athletin möglicherweise damit abfinden müssen, dass ihre Sportkarriere zu Ende geht. Für diesen Schritt braucht sie Unterstützung.

 

Enttäuschung auffangen

Zur eigenen Enttäuschung der Athletin gesellt sich womöglich die Enttäuschung derjenigen, die bislang hohe Erwartungen in sie gesetzt haben: der Trainer, der Verband, ein Sponsor, vielleicht auch Eltern und Freunde. Das kann dazu verführen, die Leistungsgrenze mit Hilfe von Doping überschreiten zu wollen. Um dem entgegenzuwirken, sollte der Trainer gemeinsam mit der Athletin versuchen, positive Perspektiven zu entwickeln.

 

Zurückstecken oder aufhören?

Wenn die gesteckten Leistungsziele nicht mehr erreicht werden können, hat die Athletin beispielsweise die Möglichkeit, dennoch weiter zu trainieren und sich im Wettkampf auch mit weniger prominenten Platzierungen zufrieden zu geben. Je nach Persönlichkeitsstruktur fällt es ihr aber auch leichter, sich mit den bisher erzielten Erfolgen zu begnügen und ihre Karriere im Leistungssport zu beenden. In beiden Fällen kann der Trainer ihr helfen, ihren Entschluss im Trainingsumfeld (Verband, Sponsoren, Presse) zu kommunizieren.

 

Die zweite Karriere

Will die Athletin definitiv aus dem Hochleistungssport aussteigen, stellt sich vor allem die Frage, welche Ausbildungs- und Berufschancen ihr außerhalb des Sports offen stehen. Der Trainer kann ihr dabei helfen, persönliche Interessen, Stärken und Kompetenzen herauszuarbeiten, die für die "zweite Karriere" nützlich sein können. Idealerweise werden die Vorbereitungen für die zweite Karriere schon getroffen, lange bevor das Karriereende ansteht. Denkbar ist zum Beispiel eine berufliche Laufbahn bei der Bundeswehr oder der Polizei, die im Allgemeinen ein Engagement im Leistungssport begrüßen und fördern. Möglich ist auch eine parallele Berufsausbildung, ein Studium oder Fernstudium. Hilfreich ist es, bei dieser Planung eine Laufbahnberatung in Anspruch zu nehmen, wie sie beispielsweise an allen Olympiastützpunkten angeboten wird. Darüber hinaus ist es immer sinnvoll, frühzeitig Netzwerke zu knüpfen, die nach dem Ende der Sportkarriere einen Einstieg in einen Beruf erleichtern.