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Wenn Eltern Druck machen

Eltern sind unverzichtbar für die Unterstützung des leistungssportlichen Engagements ihrer Kinder. Nicht selten üben sie aber auch übermäßigen Druck aus. In solchen Fällen sollte der Trainer oder die Trainerin versuchen, mäßigend auf die Eltern einzuwirken.

Übermäßiger Leistungsdruck und überhöhte Erwartungen stellen gerade für Kinder und Jugendliche eine schwere Belastung dar und erhöhen die Gefahr, zu Drogen oder Dopingmitteln zu greifen.

"Nimm dir ein Beispiel an deinem Freund …"

Eltern können auf sehr unterschiedliche Weise Druck auf ihre Kinder ausüben, um sie zu sportlicher Leistung anzuspornen. Sie stellen beispielsweise Vergleiche mit anderen Sportlerinnen und Sportlern auf, nehmen die Bestleistungen anderer zum Maßstab oder zeigen Ungeduld mit der Leistungsentwicklung des Kindes. Sehr häufig kommt es vor, dass Mütter oder Väter bei Spielen oder Wettkämpfen ihre Kinder durch extrem fordernde Zurufe anfeuern oder ihnen nach dem Spiel Vorwürfe machen, wenn etwas nicht geklappt hat.

Es kommt vor, dass Eltern Rekord- und Bestenlisten oder Tabellen aufstellen, auch wenn der Verband das für diesen Altersbereich nicht vorsieht. Oder sie treiben ihre Kinder zum Training auch dann an, wenn deren Gesundheitszustand dagegen spricht. Dabei wird nicht selten subtiler "moralischer" Druck aufgebaut ("Ich arbeite mich krumm für deine Karriere, und du drückst dich vor dem Training…").

"Mein Sohn braucht mehr Förderung!"

Immer wieder werden Trainerinnen und Trainer mit Eltern konfrontiert, die sich für die "besseren Trainer" halten. Sie kritisieren den Trainer oder die Trainerin und die Trainingsmethoden öffentlich, auch gegenüber ihren Kindern oder anderen Eltern. Sie fordern für ihr Kind mehr Einsatzzeiten in der Mannschaft oder schicken den Sohn oder die Tochter eigenmächtig zu Wettkämpfen oder Turnieren oder zu weiteren privaten Trainingseinheiten. Dadurch kommt es nicht nur schnell zu einer Überforderung, sondern die Jugendlichen verlieren auch schnell die Orientierung: Wem sollen sie folgen, wer hat Recht – die Eltern oder der Trainer, die Trainerin?

"Was willst du da eigentlich?"

Ebenso ungünstig wie das Aufbauen von Leistungsdruck ist es, wenn Eltern überhaupt kein Interesse am sportlichen Engagement ihrer Kinder zeigen oder dieses sogar negativ bewerten. Manche Eltern erkennen nicht, wie viel der Sport ihren Kindern bedeutet, und äußern sich gleichgültig oder sogar geringschätzig über deren Erfolge. Andere befürchten, dass die schulischen Leistungen auf der Strecke bleiben, oder sind misstrauisch, weil die Kinder sich durch ihr Engagement im Sportverein der elterlichen Kontrolle entziehen. Desinteresse und mangelnde Wertschätzung seitens der Familie kann sich jedoch nicht nur negativ auf die sportlichen Leistungen und die Leistungsbereitschaft von Kindern und Jugendlichen auswirken, sondern auch zu einem Mangel an Selbstwertgefühl führen – mit unter Umständen gravierenden Folgen für die Persönlichkeitsentwicklung.

Ohne die Eltern geht es nicht

Es ist in der Regel nicht sinnvoll, angesichts derartiger Probleme "gegen die Eltern zu arbeiten". Besser ist es, die Eltern  junger Sportlerinnen und Sportler stärker in das Geschehen im Sportverein einzubeziehen, beispielsweise durch regelmäßige Elternabende, Rundbriefe und gemeinsame Vereinsaktivitäten. Durch den Austausch mit anderen Müttern und Vätern, werden vielleicht auch besonders ehrgeizige oder gänzlich desinteressierte Eltern ihre Haltung relativieren. In besonders problematischen Fällen sollte allerdings das Gespräch mit den betreffenden Eltern gesucht oder professionelle Hilfe hinzugezogen werden.