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Sportartspezifische Risiken

Physiologische Anforderungen, Trainingsaufwand und Karrierestruktur können je nach Sportart sehr unterschiedlich sein. Entsprechend ist auch das Risiko einer Anfälligkeit für Doping nicht in allen Sportarten gleich hoch.

Effektivität von Doping

Nicht in jeder Sportart kann mit Doping eine vergleichbare Leistungssteigerung erzielt werden. So lassen sich in Disziplinen, die einen hohen Anteil an aerober Ausdauer erfordern (beispielsweise Schwimmen, Laufen), oder Sportarten mit einem hohen Kraftanteil wie Gewichtheben oder Kugelstoßen mit Steroidhormonen und Stimulanzien deutliche Leistungsverbesserungen erreichen. In Sportarten wie Handball, Fußball, Basketball, Hockey oder Rückschlagspielen wie Tennis, Squash und Badminton erfordert die Produktion sportlicher Höchstleistungen dagegen neben athletischen Grundlagen vor allem sehr komplexe Mechanismen wie Taktik, Technik und Reaktionsvermögen. Dennoch wird auch in diesen Sportarten zu Doping gegriffen, beispielsweise um Zeiten dicht aufeinander folgender Wettkämpfe oder eine harte Saisonvorbereitung durchzustehen, den gestiegenen athletischen Anforderungen im Spiel gerecht zu werden oder nach einer Verletzung den Trainingsrückstand schneller wieder aufzuholen. Insgesamt lässt sich deshalb von keiner Sportart mit Sicherheit sagen, dass sie gegen Doping "immun" ist.

Einzelkämpfer oder Teamplayer

Die körperliche Kondition der einzelnen Teammitglieder ist zwar auch bei Mannschaftssportarten Voraussetzung für den sportlichen Erfolg. Dennoch spielt die individuelle Leistungsfähigkeit hier nicht die gleiche Rolle wie im Ausdauer- oder Kraftsport; es kommt vor allem auf Teamfähigkeit und abgestimmte Taktik an. Im Radsport, Schwimmen oder Triathlon dagegen ist das Individuum in seinem einsamen Kampf um Zeit ganz auf sich selbst gestellt. Es kommt allein auf die eigene Kraft und Ausdauer an, und die lässt sich mit Doping auf die Spitze treiben. Darüber hinaus können auch die typischen Sozialstrukturen zu einer unterschiedlichen Ausprägung von Risikofaktoren führen:

  • Im Teamsport können Gruppendynamik und erlebter Gruppenzwang sowie der Konkurrenzdruck innerhalb des Teams den Griff zu Dopingsubstanzen begünstigen.
  • Im Individualsport zählen die Gefahr der Vereinsamung und das unmittelbare persönliche Feedback über die eigene Leistung zu den Risikofaktoren.

Unterschiedliche Karrierestrukturen

Sportartspezifische Unterschiede gibt es auch in den Karrierestrukturen. So erfordert beispielsweise eine Karriere im Turnsport bereits in der frühesten Jugend hohe zeitliche Investitionen. Trainingszeiten von 25 Stunden pro Woche sind hier keine Seltenheit und müssen zusätzlich zu den Anforderungen der Schule bewältigt werden. Dies bringt die Gefahr mit sich, dass die jungen Sportlerinnen und Sportler andere in dieser Phase wichtige Entwicklungsaufgaben vernachlässigen. Sie sind zudem einem enorm hohen Leistungsdruck in einem Alter ausgesetzt, in dem sie noch kaum Gelegenheit hatten, ausreichende personale und soziale Schutzfaktoren aufzubauen. Diese sind jedoch wichtige Voraussetzungen, um auch später mit Krisensituationen souverän umgehen und Dopingangebote entschieden ablehnen zu können. Viele Mannschaftssportarten stehen dagegen nicht unter diesem frühen Leistungsdruck. Sie gestehen den Sportlerinnen und Sportlern eine deutlich längere Jugendphase im Sinne eines Schon- und Versuchsraums zu, die es ihnen eher gestattet, ihre Entwicklungsaufgaben altersgemäß zu bewältigen. Quantität und Qualität von Training und Wettkampf verschärfen sich hier erst zu einem wesentlich späteren Zeitpunkt, nämlich dann, wenn die Individuen physisch, psychisch und sozial erwachsen geworden sind.