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Nahrungs-ergänzungs-mittel

Viele Athletinnen und Athleten glauben, dass sie Nahrungsergänzungsmittel brauchen, um den Anforderungen des Leistungssports gerecht werden zu können. Eine Haltung, die ihre Tücken hat. Trainerinnen und Trainer sollten die Risiken kennen und darüber aufklären.

Sinnvolle Ergänzung oder Türöffner?

Nahrungsergänzungsmittel sind nicht nur im Hinblick auf mögliche Verunreinigungen durch Dopingsubstanzen kritisch zu betrachten. In der bedenkenlosen Einnahme solcher Präparate spiegelt sich zudem die – nicht nur im Leistungssport zu beobachtende – Tendenz wider, das eigene Aussehen oder die körperliche Kondition "auf Knopfdruck" zu verändern. Die natürlichen Grenzen der körperlichen Belastbarkeit werden ignoriert und gesundheitliche Risiken billigend in Kauf genommen, um die gesetzten Ziele zu erreichen. Mit einer solchen Grundhaltung ist es oft nur ein kleiner Schritt vom Konsum von Nahrungsergänzungsmitteln zur Bereitschaft, die eigene Leistungsfähigkeit durch Doping zu steigern. Gerade bei Jugendlichen haben Trainerinnen und Trainer noch die Möglichkeit, dieser Haltung entgegenzuwirken.

Nahrungsergänzungsmittel sind – wenn überhaupt – nur bei hohen Trainingsbelastungen oder beim Auftreten von Mangelerscheinungen sinnvoll. Im Grundlagentraining sind sie gänzlich überflüssig. Für das Training ist es völlig ausreichend, wenn die Athletinnen und Athleten sich richtig ernähren. Eine ausgewogene Mischkost versorgt den Körper mit allem was er braucht, auch im Leistungssport. Doch die angemessene, sportgerechte Ernährung scheitert oft an mangelndem Wissen und an vermeintlichem Zeitmangel.

Jugendliche, die ihr Elternhaus gerade verlassen haben, wissen oft nicht, wie man vollwertige Mahlzeiten mit vertretbarem Zeitaufwand zubereiten kann. Und häufig haben sie noch keinen Zugang zu einer professionellen Ernährungsberatung, wie sie von den Olympiastützpunkten angeboten wird. Für sie ist es besonders hilfreich, wenn die Trainerin oder der Trainer entsprechendes Wissen vermitteln kann oder zumindest darauf hinweist, wo die entsprechenden Informationen zu bekommen sind.

Eine aktuelle Studie unter jungen Spitzensportlerinnen und –sportlern (13 bis 19 Jahre) hat ergeben, dass 80 % der Befragten Nahrungsergänzungsmittel nehmen – nach eigenen Angaben vor allem um gesund zu bleiben. Die Jugendlichen gaben mehrheitlich an, die Mittel von ihren Eltern bekommen oder selbst beschafft zu haben. Empfohlen wurden die Produkte überwiegend von Eltern, Trainerinnen und Trainern sowie Ärztinnen und Ärzten. Nur 36 % der Befragten sind sich der Studie zufolge bewusst, dass Nahrungsergänzungsmittel mit verbotenen Substanzen verunreinigt sein können. (Quelle: Hans Braun et al.: "Dietary Supplement Use Among Elite Young German Athletes"; Int. Journal of sport Nutrition and Exercise Metabolism, Vol. 19 [1], Februar 2009)

Auch die NADA hat bei ihren Besuchen und Seminaren an den Eliteschulen des Sports in Deutschland festgestellt, dass viele junge Sportlerinnen und Sportler Nahrungsergänzungsmittel zu sich nehmen. Teilweise wussten sie aber weder die genauen Namen der Produkte noch die Wirkungsweisen. Es besteht also hoher Informationsbedarf – hier stehen auch Trainerinnen und Trainer in der Pflicht.

Nach Untersuchungen des Instituts für Biochemie an der Deutschen Sporthochschule Köln (2004) wiesen von 634 Nahrungsergänzungsmitteln 94 (14,8 %) positive Befunde für verbotene anabol-androgene Steroide (sogenannte Prohormone) auf, die nicht auf der Packung deklariert waren. Die positiven NEM stammten von Firmen aus den USA, den Niederlanden, Großbritannien, Italien und Deutschland.
Ausscheidungsversuche mit solchen NEM führten zu positiven Dopingbefunden vor allem für den Wirkstoff Norandrosteron. Ausländische Präparate, die zum Beispiel unter den Namen Chrysin, Guarana oder Tribulus Terrestis gehandelt werden, können ebenfalls dem Dopingverbot unterliegende Wirkstoffe enthalten.
Quelle: Institut für Biochemie der Deutschen Sporthochschule Köln (2002): Untersuchung von nicht-hormonellen Nahrungsergänzungsmitteln (NEM) auf nicht deklarierte anabol-androgene Steroide - Eine internationale Studie.

Werden NEM mit den beschriebenen (Spuren-)Beimengungen konsumiert, können anschließend abgegebene Urinproben beispielsweise positive Analysenbefunde wie bei der Einnahme von verbotenen Anabolika (z.B. von Nandrolon) liefern. Nach dem gültigen Dopingreglement erfüllt dies den Tatbestand des Dopings. Daher wird eindringlich vor der Anwendung von NEM gewarnt.

Sollte die Zufuhr von Nahrungsergänzungsmitteln tatsächlich aus medizinischer Sicht notwendig sein, so ist unbedingt zu empfehlen, auf in Deutschland zugelassene Arzneimittel zurückzugreifen. Denn diese unterliegen einer weit strengeren Qualitätssicherung als frei verkäufliche Präparate und die Hersteller sind verpflichtet, in der Produktinformation alle Inhaltstoffe zu deklarieren, so dass ein zuverlässiger Abgleich mit der Verbotsliste möglich ist.

Nahrungsergänzungsmittel im Sport