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Schutzfaktoren und Risikofaktoren

Wirksamer Schutz gegen Doping hängt auch davon ab, welche Erfahrungen jugendliche Athletinnen und Athleten in und mit ihrem sozialen Umfeld machen.

Für eine gelingende Persönlichkeitsentwicklung und ausreichende Widerstandsfähigkeit ist es wichtig, dass Jugendliche sich in ihrem sozialen Umfeld wohlfühlen, akzeptiert werden und im Bedarfsfall zuverlässig Unterstützung finden. Das betrifft Elternhaus und Schule ebenso wie den Freundeskreis und den Sportverein.

Soziale Schutzfaktoren beziehen sich zum einen auf das Unterstützungspotenzial aus dem sozialen Umfeld und zum anderen auf eine gelingende Gestaltung sozialer Kontakte. Die wichtigsten sozialen Schutzfaktoren sind:

  • die Fähigkeit, in der Gruppe den eigenen Platz zu finden (also sowohl die eigenen Interessen behaupten als auch nachgeben zu können)
  • die Fähigkeit, Regeln mit anderen gemeinsam auszuhandeln und zu befolgen
  • die Fähigkeit, in Konflikten Gegner auch als Konfliktpartner wahrzunehmen und adäquate Konfliktlösungsstrategien zu verfolgen
  • die Fähigkeit, bestehende Wertsysteme kritisch zu reflektieren und einen eigenen Standpunkt zu entwickeln
  • die Verfügbarkeit persönlicher und professioneller Hilfesysteme und die Fähigkeit, diese bei Bedarf zu aktivieren.

Neben Defiziten hinsichtlich der vorgenannten Fähigkeiten gibt es soziale Risikofaktoren, die im sozialen Umfeld selbst begründet sind:

  • Mangel an menschlicher Wärme und Empathie im sozialen Umfeld
  • einseitige Leistungsorientierung
  • persönliche Abwertung durch die Gruppe bei (sportlichen) Niederlagen
  • ein von Konkurrenzdenken geprägtes Gruppenklima
  • Unsicherheit und Instabilität im sozialen Gefüge

Auf das familiäre oder schulische Umfeld der Jugendlichen haben Trainerinnen und Trainer in der Regel wenig Einfluss. Sie können aber in der Trainingsgruppe für ein Klima der Offenheit und gegenseitigen Akzeptanz sorgen und Einfluss auf das Sozialverhalten einzelner Athletinnen und Athleten nehmen.

Als personale Schutzfaktoren gelten die folgenden Fähigkeiten und Persönlichkeitsmerkmale:

  • Selbstbewusstsein
  • Erfahrungen von Selbstwirksamkeit, d.h. der eigenen Möglichkeiten, auf Prozesse und Ergebnisse Einfluss zu nehmen
  • realistische Einschätzung eigener Stärken und Schwächen
  • realistisches Selbstbild (keine Überhöhung oder Selbstabwertung)
  • Anstreben anspruchsvoller und gleichwohl realistischer Leistungsziele
  • Frustrationstoleranz, d.h. die Fähigkeit, sich nicht von Misserfolgen entmutigen zu lassen
  • Kommunikationsfähigkeit (die Fähigkeit, Sachverhalte von sich aus anzusprechen, sich Hilfe zu holen)
  • Konfliktfähigkeit (Konflikte offen und fair austragen können)
  • Kohärenzgefühl (mit sich und der Umwelt im Reinen sein)
  • Übernahme von Verantwortung für das eigene Handeln
  • Fähigkeit, in Konflikt- und Krisensituationen auf geeignete Bewältigungsstrategien zurückzugreifen
  • Fähigkeit, Gruppendruck zu widerstehen und "Nein" sagen zu können

Zu den personalen Risikofaktoren gehören als Umkehrung der vorgenannten Schutzfaktoren:

  • Geringes Selbstwertgefühl
  • Geringe Einschätzung der eigenen Selbstwirksamkeit
  • Mangelnde Kommunikationsfähigkeiten
  • Instabilität bei Gruppendruck

Ausreichende personale Ressourcen sind der wirksamste Schutz gegen Drogenmissbrauch und Doping. Solche Schutzfaktoren müssen bereits in der Jugend aufgebaut werden. Trainerinnen und Trainern kommt hier eine wichtige Rolle zu.