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Verbotene Substanzen

Die Verbotsliste der WADA, die sog. Prohibited List, umfasst zahlreiche Substanzen, deren Verwendung im Leistungssport verboten ist. Da immer wieder neue, leistungssteigernde Substanzen entwickelt und dann missbraucht werden, wird die Verbotsliste mindestens einmal jährlich aktualisiert.

Die verbotenen Substanzen sind in verschiedene Substanzklassen eingeteilt. Einige sind jederzeit verboten, andere nur im Wettkampf und manche nur in bestimmten Sportarten. Da in einigen Medikamenten verbotene Substanzen enthalten sind, ist es wichtig, hierüber Bescheid zu wissen.

Die WADA teilt die verbotenen Substanzen in insgesamt zwölf Substanzklassen ein. Zusätzlich werden die Substanzklassen verschiedenen Kategorien zugewiesen.

Substanzgruppen

Pharmakologisch wirksame Substanzen, die in den folgenden Abschnitten der Verbotsliste nicht aufgeführt werden und derzeit nicht durch eine staatliche Gesundheitsbehörde für die therapeutische Anwendung beim Menschen zugelassen sind (z. B. Arzneimittel in der präklinischen oder klinischen Entwicklung), sind zu jeder Zeit verboten.

Darunter fallen zunächst die anabol-androgenen Steroide (z.B. Testosteron, Epitestosteron) einschließlich Prohormone. Andere anabole Wirkstoffe sind Clenbuterol oder Tibolon. Eine umfangreiche Aufzählung der Anabolika ist der Prohibited List der WADA zu entnehmen. Anabole Substanzen sind immer, also während und auch außerhalb von Wettkämpfen verboten.

Besonderheit: Clenbuterol ist in manchen Hustensäften enthalten, die wegen ihrer guten Wirksamkeit vor allem Kindern und Jugendlichen verschrieben werden. Bei solchen Arzneien ist deshalb Vorsicht geboten.

In diese Kategorie fallen unter anderem Erythropoetin (EPO) und andere Erythropoese-stimulierende Substanzen, das Wachstumshormon hGH, aber auch Corticotropine, Gonadotropine wie CG und LH, Insulin und sogenannte insulinähnliche Wachstumsfaktoren (IGF-1). Peptidhormone, Wachstumsfaktoren und verwandte Substanzen sind immer, also während und auch außerhalb von Wettkämpfen verboten.

Besonderheit: CG und LH sind nur für Männer verboten, da sie nur bei Männern eine erhöhte Ausschüttung von Testosteron anregen.

Beta-2-Agonisten sind in vielen Medikamenten zur Behandlung von Asthma und Bronchitis enthalten. Als leistungssteigernde Substanzen sind sie im Leistungssport zum Teil verboten. Beta-2-Agonisten sind
immer, also während und außerhalb von Wettkämpfen verboten.

Angehörige des RTP, des NTP und weitere der TUE-Pflicht unterliegende Athletinnen und Athleten benötigen für inhalative Beta-2-Agonisten (außer Salbutamol, Salmeterol und Formoterol) von der NADA eine Medizinische Ausnahmegenehmigung.

Sportlerinnen und Sportler, die keinem Testpool angehören, benötigen für die Anwendung der o.g. Medikamente bei einem Start in Deutschland keine Medizinische Ausnahmegenehmigung, sondern lediglich ein Attest. Bei internationalen Starts müssen sie sich allerdings vorab beim internationalen Fachverband erkundigen, ob ein Attest ausreicht. In jedem Fall muss eine Behandlung mit diesen Substanzen im Kontrollformular angegeben werden. Bei internationalen Wettkämpfen gelten die Regeln des jeweiligen internationalen Verbandes.

Zu dieser Substanzklasse gehören Aromatase-Hemmer, selektive Estrogen-Rezeptor-Modulatoren, andere Antiestrogene, Myostatinhemmer sowie Stoffwechselmodulatoren. Diese Hormon- und Stoffwechselmodulatoren sind immer, also während und außerhalb von Wettkämpfen verboten.

Maskierungsmittel sind Substanzen, durch die das Ergebnis von Dopingkontrollen verfälscht werden kann und die Doping verschleiern können. Dazu gehören Diuretika, aber auch intravenös verabreichte Plasmaexpander. Diuretika sind Mittel, die zu einer vermehrten Harnausscheidung führen.

Beta-2-Agonisten sind immer, also während und außerhalb von Wettkämpfen verboten.

Zu den verbotenen Stimulanzien (Aufputschmitteln) gehören unter anderem Adrenalin, Amphetamin, Ephedrin, Pseudoephedrin, Kokain, Methylphenidat (z.B. Ritalin®), Modafinil, Pemolin und viele andere. Eine vollständige Aufzählung der verbotenen Stimulanzien ist der Prohibited List der WADA zu entnehmen. Stimulanzien sind nur während der Wettkämpfe verboten.

Besonderheit: Ephedrin und Pseudoephedrin sind in verschiedenen Mitteln gegen Erkältungskrankheiten enthalten. Bei solchen Präparaten ist daher Vorsicht geboten.

Zur Substanzklasse der Narkotika gehören Schmerz- und Betäubungsmittel. Sie werden in der Regel nur bei Narkosen, chirurgischen Eingriffen oder in der Schmerztherapie eingesetzt. Hier kann eine TUE bei therapeutischer Notwendigkeit beantragt werden. Operationen sollten unmittelbar im Anschluss von Testpool-Ahtleten bei der NADA angezeigt werden. Narkotika sind während der Wettkämpfe verboten.

In der Substanzklasse der Cannabinoide sind die Wirkstoffe der Cannabispflanze (indischer Hanf), Haschisch und Marihuana, sowie synthetische Cannabinoide und Cannabinomimetika (z.B. „Spice“) zusammengefasst. Sie sind bei Wettkämpfen verboten. Da insbesondere bei Jugendlichen damit zu rechnen ist, dass sie mit Cannabinoiden in Berührung kommen, sollten Trainerinnen und Trainer, die mit Jugendlichen arbeiten, hierauf hinweisen.

Es ist zu beachten, dass Cannabinoide über einen relativ langen Zeitraum im Körper nachgewiesen werden können. Auch wenn das Verbot auf Wettkämpfe beschränkt ist, sollte deshalb Athletinnen und Athleten ein genereller Verzicht auf Cannabinoide empfohlen werden.

Zu den Glukokortikodiden gehören z.B. die Wirkstoffe Dexamethason, Prednisolon, oder auch Triamcinolon. Die systemische Verabreichung von Glukokortikoiden (oral, rektal, intramuskulär, intravenös) ist bei Wettkämpfen verboten.

Alkohol ist bei Wettkämpfen in nachfolgend aufgeführten Sportarten verboten. Der Grenzwert liegt für alle genannten Sportarten bei 0,1 g/l.

  • Bogenschießen (FITA)
  • Karate (WKF)
  • Luftsport (FAI)
  • Motorbootsport (UIM)
  • Motorradsport (FIM)
  • Motorsport (FIA)

Welche Wirkstoffe zur Substanzklasse der Betablocker gehören, können Sie jeweils aktuell der Prohibited List der WADA entnehmen. Bei folgenden Sportarten sind Betablocker in Wettkämpfen verboten:

  • Billard (WCBS)
  • Bogenschießen (FITA) (auch außerhalb von Wettkämpfen verboten)
  • Boule (CMSB)
  • Bridge (FMB)
  • Darts (WDF)
  • Golf (IGF)
  • Kegeln und Bowling (FIQ)
  • Luftsport (FAI)
  • Motorbootsport (UIM)
  • Motorsport (FIA)
  • Schießen (ISSF, IPC) (auch außerhalb von Wettkämpfen verboten)
  • Skifahren/Snowboarding (FIS)
  • Skispringen, Freistil (aerials/halfpipe) und Snowboard (halfpipe/big air)

Spezifische Substanzen

Als spezifische Substanzen gelten Substanzen, die in vielen gängigen Medikamenten enthalten sind, so dass eine versehentliche Einnahme möglich ist sowie Substanzen, deren Missbrauch zur Leistungssteigerung eher unwahrscheinlich ist. Werden bei Dopingkontrollen derartige Substanzen im Körper nachgewiesen, so liegt zwar ein Verstoß gegen Anti-Doping-Bestimmungen vor,  es kann dann jedoch ein geringeres Strafmaß als bei anderen positiven Analyseergebnissen angewendet werden. Allerdings muss die Sportlerin oder der Sportler nachweisen können, dass sie oder er das Medikament nicht zu Dopingzwecken genommen hat.

Athletinnen und Athleten, die keinem Testpool angehören und nicht in einer Liga spielen, müssen seit dem 1. Juli 2010 nur ein ärztliches Attest vorlegen, wenn sie Medikamente einnehmen, die spezifische Substanzen enthalten. Das Attest darf jedoch nicht älter als ein Jahr sein.

Alle in der Verbotsliste genannten Substanzen gelten als spezifische Substanzen, mit Ausnahme von Anabolika, Hormonen, Hormonantagonisten, einigen Stimulanzien und den verbotenen Methoden.