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Verbotene Methoden

Die Verbotsliste umfasst nicht ausschließlich verbotene Substanzen. Auch Verhaltensweisen und Methoden können gegen die Anti-Doping-Bestimmungen verstoßen.

Substanzgruppen

Je besser die inneren Organe mit Sauerstoff versorgt werden, umso größer ist ihre Leistungsfähigkeit. Deshalb gibt es Dopingmethoden, die darauf abzielen, den Sauerstofftransport zu verbessern.

Eine Verbesserung des Sauerstofftransports im Körper lässt sich durch das sogenannte Blutdoping erzielen. Der Sauerstoff im Blut wird hauptsächlich vom roten Blutfarbstoff, dem Hämoglobin, in den roten Blutkörperchen (Erythrozyten) gebunden und so zu den Organen transportiert. Je mehr Erythrozyten das Blut enthält, umso besser funktioniert also der Sauerstofftransport. Mit Blutdoping wird deshalb versucht, die Zahl der Erythrozyten im Blut zu erhöhen.

Beim Blutdoping erhält die Athletin oder der Athlet eine Bluttransfusion. Dabei wird unterschieden zwischen Fremdblut- und Eigenblutdoping. Beim Fremdblutdoping werden Blutkonserven von einem fremden Spender verabreicht. Das eigene Blut der Athletin oder des Athleten wird also mit Erythrozyten aus Fremdblut angereichert.

Bei der Eigenbluttransfusion lässt sich die Athletin oder der Athlet bis zu einem Liter Blut abnehmen, das zunächst konserviert und tiefgekühlt gelagert wird. Durch den herbeigeführten Blutverlust wird der Körper angeregt, neue rote Blutkörperchen zu bilden – häufig noch verstärkt durch die Verabreichung von EPO. Vier bis sechs Wochen nach der Blutentnahme, wenn die Blutwerte sich wieder normalisiert haben, wird das Eigenblut per Bluttransfusion wieder zugeführt. Die Erythrozytenkonzentration ist dann höher als im Normalfall.

Blutdoping hat eine Verdickung des Blutes zur Folge und kann zum einen zu einer Überlastung des Herz-Kreislauf-Systems bis hin zum Schock führen. Zum anderen kann es besonders bei der Verwendung von Fremdblut zu lebensbedrohlichen allergischen Reaktionen und Nierenschäden kommen. Je nach Herkunft des Blutpräparats riskiert man sogar gefährliche Virusinfektionen wie Hepatitis und AIDS.

Immer wieder wird versucht, durch Manipulation von Urin- oder Blutproben den Nachweis von Dopingsubstanzen zu erschweren oder zu verhindern.

Diuretika und Maskierungsmittel verändern die Zusammensetzung des Urins oder des Blutes oder beschleunigen die Ausscheidung von Dopingsubstanzen mit dem Urin.

Mit einem Katheter wird vor dem Erscheinen in der Doping-Kontrollstation Fremdurin in die Blase gespült. Es wird "sauberer" Urin aus mitgeführten Behältern abgegeben.

In unbeaufsichtigten Momenten wird der Urin bei der Abnahmeprozedur verdünnt oder anderweitig verändert.

Intravenöse Infusionen verdünnen das Blut und führen damit bei Blutuntersuchungen zu falschen Ergebnissen. Für intravenöse Infusionen muss eine hinreichende medizinische Notwendigkeit nachgewiesen werden.

Die Gene sind Träger der menschlichen Erbmasse. Sie steuern unter anderem die Produktion und Ausschüttung bestimmter Stoffe im Körper. Die Bestrebungen der Medizin richten sich darauf, erblich bedingte und bislang unheilbare Krankheiten in Zukunft heilen zu können, indem krankhaft veränderte durch gesunde Gene ersetzt werden. Es wird allgemein davon ausgegangen, dass gentherapeutische Verfahren, sobald sie verfügbar sind, auch im Sport zur Leistungssteigerung missbraucht werden.

Die Bildung bestimmter Muskelfasern oder das Muskelwachstum insgesamt lassen sich durch Veränderungen am Erbgut beeinflussen. Durch Einbringen entsprechend veränderter Gene könnten demnach erblich bedingte Störungen des Muskelwachstums oder Muskelschwund therapiert werden. Es besteht aber auch die Gefahr, dass die anabolen Effekte eines solchen Verfahrens zu Dopingzwecken missbraucht werden.

Ein Problem beim Nachweis von Gendoping liegt darin, dass sich das Produkt eines künstlich eingeschleusten Gens, also beispielsweise ein Hormon wie EPO, bislang kaum von dem Hormon unterscheiden lässt, das von körpereigenen Genen produziert wird. Hinzu kommt die äußerst geringe Konzentration der „transgenen“, also durch Gentransfer eingeführten DNA im Blut oder Urin. Dies macht es schwierig, die künstlich eingeschleusten DNA-Moleküle überhaupt zu finden.

Weltweit arbeiten Wissenschaftler im Auftrag der WADA daran, diese Schwierigkeiten zu überwinden und geeignete Nachweisverfahren für Doping zu entwickeln.

Am einfachsten könnten sich eingeschleuste Gene anhand von Gewebeproben, beispielsweise von Muskelgewebe, nachweisen lassen. Das würde jedoch bedeuten, bei den Betroffenen operativ ein Stück vom Muskel zu entnehmen. Ein solcher Eingriff ist so gravierend, dass er als Standardmethode zum Nachweis von Gendoping ausscheidet.